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Dacheindeckung

Kleine Ziegelschule: 10 Dachziegel, die Sie kennen sollten


Lesezeit 6'

13.07.2020 von jan-blomeke
Dacheindeckung

Kleine Ziegelschule: 10 Dachziegel, die Sie kennen sollten


Lesezeit 6'

13.07.2020 - jan-blomeke

Es gibt ganz unterschiedliche Bedachungsmaterialien. Angefangen beim traditionellen Tonziegel, über Naturprodukte wie Reet oder Schiefer, bis hin zum modernen Metalldach. In der Praxis entscheiden sich die meisten Menschen jedoch auf dem Dach für Dachziegel oder Dachsteine. Wo liegt der Unterschied?

Dachziegel, Dachstein, Dachpfanne: eine Begriffsklärung

Dachziegel und Dachsteine ähneln sich optisch, unterscheiden sich jedoch in ihren Eigenschaften deutlich voneinander und bieten jeweils eigene Vor- und Nachteile. Aufgrund der ähnlichen Optik werden sie fälschlicherweise oft als Synonym verwendet und umgangssprachlich als Dachziegel bezeichnet.

Der Unterschied: Dachziegel bestehen aus gebranntem Ton, Dachsteine hingegen aus luftgetrocknetem Beton. Der Oberbegriff für beide lautet Dachpfannen. Wenn die Rede also von einer Dachpfanne ist, kann sowohl ein Dachziegel aus Ton als auch ein Dachstein aus Beton gemeint sein.

Dachpfannen mit und ohne Falz

Prinzipiell gibt es zwei Verfahren, um Dachpfannen herzustellen: Beim sogenannten Strangpressen wird der Ton zunächst an einem Stück gefertigt und dann in die richtige Einzelgröße geschnitten. Beim Stempelpressen fertigt man jede Dachpfanne direkt in einer Einzelform. Diese Dachziegel beziehungsweise Dachsteine haben meist einen Falz. Der Falz dient dazu, die Pfannen ineinander zu verzahnen. Beispiele für Stempelpressziegel mit Falz sind der Reformziegel, der Flachdachziegel oder die Frankfurter Pfanne. Beispiele für Strangziegel, die oft keinen Falz haben, sind der Biberschwanz oder der Hohlziegel.

Schematische Darstellung eines Reformziegels mit Seiten- und Kopffalz
Schematische Darstellung eines Reformziegels mit Seiten- und Kopffalz

Foto: CREATON | Media (Bearbeitung: DachDirekt)

Welche Dachziegel gibt es?

In Deutschland gibt es viele verschiedene Formen und Arten von Dachpfannen. Neben den technischen Voraussetzungen unterscheiden sie sich vorwiegend in der Optik voneinander. Sie möchten wissen welche Dachziegel sie haben, wie sie sich unterscheiden und welche am besten für Ihr Dach geeignet sind? Im Folgenden stellen wir 10 der bekanntesten Ziegel- und Dachsteinarten vor.

1. Die Frankfurter Pfanne

Welche sind die besten Dachziegel? Viele würden hier die Frankfurter Pfanne nennen. Sie ist wohl die bekannteste Dachpfannenform in Deutschland und wird seit über 50 Jahren verwendet. Das charakteristische Erkennungszeichen ist der doppelte Wasserlauf an der Seite und die sowohl gewällte als auch glatte Oberfläche, wie hier beim Modell des Ziegelherstellers Braas zu erkennen.

Ton-rote Frankfurter Pfanne als Bedachungsmaterial
Ton-rote Frankfurter Pfanne als Bedachungsmaterial

Foto: Braas GmbH

Aufgrund der guten Oberflächeneigenschaft ist die Dachpfanne sehr wartungsarm und bleibt lange frei von Bewuchs und Schmutz. Geeignet ist die Frankfurter Pfanne für Dächer mit einer Regeldachneigung von 22 bis 30 Grad.

2. Die Harzer Pfanne

Die Harzer Pfanne zeichnet sich vor allem durch die besondere Wirtschaftlichkeit aus. Das Erscheinungsbild ist von einer harmonischen, regelmäßig geschwungenen Wellenbewegung geprägt.

Dunkelrote Harzer Pfanne als Bedachungsmaterial
Dunkelrote Harzer Pfanne als Bedachungsmaterial

Foto: Braas GmbH

Die Vorteile der Harzer Pfanne sind ihre Robustheit und die glatte Oberfläche, die Dreck und Moos wenig Haftfläche bietet. Die Harzer Pfanne ist für Dächer mit einer Neigung von 22 bis 30 Grad geeignet.

3. Die Sigma-Pfanne

Die Sigma-Pfanne stammt vom Ziegelhersteller Nelskamp und ist vor allem durch die charakteristisch geschwungene Form bekannt, die Dachflächen lebendig wirken lassen. Die Oberfläche der Ziegel ist besonders porenarm, weshalb Staubteilchen kaum Halt finden und Regen den Ziegel permanent säubert.

Dunkelrote Sigma-Pfanne als Bedachungsmaterial
Dunkelrote Sigma-Pfanne als Bedachungsmaterial

Foto: Nelskamp GmbH

Verwendet wird diese Pfanne vorwiegend bei Neubauten mit einer Dachneigung über 22 Grad und hohen Ansprüchen an die Optik des Daches.

4. Die S-Pfanne

Die S-Pfanne verdankt ihren Namen der s-förmigen, geschwungenen Geometrie und wird herstellerübergreifend angeboten. Durch die wellenförmige Optik verleiht sie dem Dach ein weiches, fließendes Erscheinungsbild. Die Regeldachneigung beträgt mindestens 22 Grad.

Dunkelgraue S-Pfanne als Bedachungsmaterial auf modernen Häusern
Dunkelgraue S-Pfanne als Bedachungsmaterial auf modernen Häusern

Foto: Nelskamp GmbH

5. Der Biberschwanz

Biberschwanzziegel sind qualitativ hochwertig und vor allem in Süd- und Ostdeutschland sowie in den südlichen Nachbarländern beliebt. Da sich bei dieser Bedachung die Ziegel mehr überlappen als beispielsweise bei der Frankfurter Pfanne, ist der Materialverbrauch höher und die Dacheindeckung somit kostenintensiver. Das Merkmal des Biberschwanz‘ ist der charakteristische Rundschnitt und die glatte Oberfläche.

Roter Biberschwanz als Bedachungsmaterial
Roter Biberschwanz als Bedachungsmaterial

Foto: Braas GmbH

Während alte Gebäude immer häufiger mit dem flachen Ziegel eingedeckt werden, nimmt die Verwendung bei Neubauten ab. Geeignet ist der Biberschwanz für Dächer mit einer Dachneigung von 30 bis 45 Grad.

6. Der Reformziegel

Der Reformziegel, auch Rheinlandziegel oder Reformpfanne genannt, zeichnet sich durch eine flache Mulde aus, die dem Dach einen ruhigen, harmonischen und zeitlosen Charakter verleiht. Aufgrund des höheren Materialaufwands ist eine Dacheindeckung mit Reformziegeln meist etwas teurer. Die Regelneigung der meisten Modelle beträgt 30 bis 45 Grad.

Dunkelgraue Reformziegel als Bedachungsmaterial
Dunkelgraue Reformziegel als Bedachungsmaterial

Foto: CREATON | Media

7. Der Hohlziegel

Der Hohlziegel besitzt in der Regel keinen Falz. Das Erkennungszeichen des Hohlziegels ist die stark ausgeprägte Wölbung, auch die fehlenden Kerben und Verzahnungen auf der Vorderseite. Verwendung findet dieser Dachziegel vorwiegend in Norddeutschland sowie bei alten und denkmalgeschützten Gebäuden mit aufwendigen Details.

Ton-rote Hohlfalzziegel als Bedachungsmaterial
Ton-rote Hohlfalzziegel als Bedachungsmaterial

Foto: CREATON | Media

Hohlziegel als Bedachungsmaterial auf einem alten Gutshof
Hohlziegel als Bedachungsmaterial auf einem alten Gutshof

Foto: Nelskamp GmbH

Bei Neubauten wird er nur verwendet, um technisch anspruchsvolle Elemente wie Fledermausgauben zu realisieren. Wegen der fehlenden Falz sollte die Dachneigung mehr als 40 Grad haben.

Es gibt auch die Variante mit Falz – den Hohlfalzziegel. Diesen bietet zum Beispiel der Ziegelhersteller Creaton an. Er ziert sowohl das Dach von Neubauten als auch von älteren Gebäuden. Die Regelneigung des Daches sollte beim Hohlfalzziegel über 22 Grad liegen.

8. Der Flachdachziegel

Anders als gedacht, eignet sich der Flachdachziegel nicht etwa für das Flachdach, sondern für Dächer mit einer geringen Neigung ab etwa zehn Grad. Das optische Erkennungszeichen des Flachdachziegels ist eine leicht geschwundene Form, die das Dach modern, harmonisch und flach erscheinen lässt. Der Vorteil des Flachdachziegels ist seine schnelle Montage und der geringe Materialbedarf.

Ton-rote Flachdachziegel als Bedachungsmaterial
Ton-rote Flachdachziegel als Bedachungsmaterial

Foto: CREATON | Media

9. Der Glattziegel

Der Glattziegel hat eine sehr glatte Oberfläche und unterscheidet sich aufgrund dieser wellenlosen Form deutlich von klassischen Alternativen. Verwendet wird er vorwiegend bei modernen Privatgebäuden. Der Glattziegel gilt als besonders sturmsicher und langlebig. Er bietet den Vorteil, dass die Oberfläche bis zu 300 Prozent mehr Infrarotstrahlen reflektiert, was dazu führt, dass sich das Dach weniger aufheizt.

Dunkle Glattziegel als Bedachungsmaterial
Dunkle Glattziegel als Bedachungsmaterial

Foto: Braas GmbH

Dachdecker schätzen den Glattziegel wegen der schnellen Montage und des geringen Materialbedarfs. Geeignet ist er für Dächer mit einer Steigung zwischen 25 und 35 Grad.

10. Der Mönch- und Nonnenziegel

Der Mönch- und Nonnenziegel ist die älteste Ziegelform. Man hat sie in der Vergangenheit vor allem bei Klöstern im mediterranen Raum verwendet. Bei dieser Ziegelform handelt es sich um zwei halbierte Hohlzylinder, die übereinandergelegt und kegelförmig an den Seiten zueinander verkeilt sind. Die unteren, schwereren Ziegel werden dabei als Nonnen bezeichnet, die oberen, leichteren Ziegel als Mönche.

Mönch Nonnenziegel als historisches Bedachungsmaterial
Mönch Nonnenziegel als historisches Bedachungsmaterial

Foto: Djama / stock.adobe.com | Alberto Masnovo / stock.adobe.com

Heute kommt diese Form der Dachdeckung im Grunde nur noch bei alten Gebäuden zum Einsatz. Der Mönch- und Nonnenziegel eignet sich für Dächer mit einer Regeldachneigung zwischen 19 und 24 Grad.

Weitere Auswahlkriterien und noch mehr Ziegel

Nun sind Sie an der Reihe: Welche Ziegelform ist Ihr Favorit? Bedenken Sie, dass neben der Optik und dem Preis weitere Kriterien hinzukommen. Zum Beispiel lässt der Bebauungsplan der Gegend, in der Ihr Haus steht, manche Varianten gar nicht zu. Informieren Sie sich bei den Behörden und suchen Sie den Rat der Experten für Ihr Dach.

Neben den hier gezeigten Ziegeln gibt es viele weitere Varianten – in der Form wie im Material, beispielsweise Schiefer. Die wohl modernste Form von Dachziegeln sind Solarziegel, eine Variante, bei der die Photovoltaikmodule direkt im Ziegel verbaut sind.

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