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Dachausbau

Dachterrasse bauen: Was Sie über Baurecht, Statik und fachgerechte Ausführung wissen sollten


Lesezeit 5'

04.05.2019 von nicole-ziese
Dachausbau

Dachterrasse bauen: Was Sie über Baurecht, Statik und fachgerechte Ausführung wissen sollten


Lesezeit 5'

04.05.2019 - nicole-ziese

Nachträglich selbst eine Dachterrasse bauen spart Geld, erhöht den Wohnkomfort und steigert den Wert der Immobilie. Allerdings gibt es von der Baugenehmigung bis zur Gestaltung so einiges zu beachten, was die Unterstützung von Fachleuten erfordert. Wir zeigen die wichtigsten Schritte auf dem Weg zur eigenen Dachterrasse.

Eine Dachterrasse bauen auf die Gaube? Oder doch lieber auf dem Garagendach? In Städten haben viele Häuser kleine Gärten und Wohnungen nur einen Minibalkon. Mit einer Dachterrasse vergrößern Sie das Außengelände Ihrer Immobilie. Doch welcher Anleitung Sie für Ihr Bauprojekt auch folgen: Bevor Sie beginnen, gibt es einige rechtliche und technische Aspekte zu bedenken.

  • Vorüberlegungen
  • Baurecht
  • Statik
  • Ausführung
  • Gestaltung

1. Vorüberlegungen: Bevor Sie die Dachterrasse bauen

Viele Immobilieneigentümer träumen davon, morgens auf der eigenen Dachterrasse zu frühstücken oder Abende bei Kerzenschein mit Freunden und Familie zu verbringen. Der Bau einer Dachterrasse ist jedoch ein kostspieliges Vorhaben. Um herauszufinden, ob sich die Investition lohnt, sollten Sie sich fragen:

  • Wozu möchte ich die Dachterrasse nutzen?
  • Wie oft werde ich sie realistisch nutzen können?
  • Ist die Dachterrasse von den Nachbarn einsehbar? Wenn ja: Stört mich das?
  • Wie laut ist es im Umfeld?
  • Wie viele Stunden fällt Sonnenschein auf meine Terrasse?
  • Stellt der Bau einer Dachterrasse eine Wertsteigerung meiner Immobilie dar?
  • Kann ich die Kosten für eine Dachterrasse stemmen?
Dachterrasse bauen bietet zusätzlichen Wohnkomfort.
Eine Dachterrasse bietet zusätzlichen Wohnkomfort.

Foto: Velux

Eine Dachterrasse kann grundsätzlich auf einem Garagendach, auf dem Flachdach eines Hauses, auf einer massiven Balkonüberdachung gebaut oder in ein Satteldach eingefügt werden. Je nachdem variiert der Aufwand. Gleiches gilt für das Budget. Besonders aufwendig und damit teuer ist zumeist die Dachterrasse im Satteldach. Denn hier muss ein Dachdecker zunächst eine Aussparung für die Terrasse schaffen.

Auch beim Zugang zur Dachterrasse haben Sie mehrere Möglichkeiten: Im Normalfall gelangen Sie durch eine Terrassentür nach draußen. Sollte sich bereits ein Fenster an der richtigen Position befinden, wird der Umbau zu einer Terrassentür meist sehr einfach. Ein Wanddurchbruch ist aufwendiger. Die Alternative: eine Außentreppe. Wichtig ist dabei, dass die Treppe sicher ist. Dies umfasst insbesondere die Aspekte Rutschsicherheit und Geländerhöhe.

2. Baurecht: Niemals ohne Baugenehmigung starten

Die Errichtung einer Dachterrasse verändert das Aussehen des Bauwerks. Zudem können Sie von einer Dachterrasse aus oftmals die Gärten der Nachbarn einsehen, was vorher womöglich nicht der Fall war. Daher ist für den Bau einer Dachterrasse stets eine Baugenehmigung erforderlich. In den meisten Bundesländern erfordert das die Beteiligung eines Architekten oder Bauingenieurs. Lediglich in Hessen und Bayern reicht zur Erfüllung dieser Anforderung eine sogenannte kleine Bauvorlageberechtigung durch einen qualifizierten Handwerksmeister.

Tipp: Die örtlichen Baubehörden müssen rechtlich gesehen nicht in die Planungsphase einbezogen werden. Es ist jedoch ratsam, frühzeitig das Gespräch zu suchen. Bauherren können sich normalerweise kostenfrei beraten lassen. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn Sie Ihre Dachterrasse auf einem denkmalgeschützten Haus errichten wollen. Außerdem erfahren Sie bereits in einem frühen Stadium die wichtigsten Dinge zum Bebauungsplan, zu nachbarschaftlichen Abstands- und Zustimmungspflichten sowie zum sogenannten Ensembleschutz. So wissen Sie von Anfang an, ob und in welcher Form Ihre Dachterrasse Aussicht auf die Erteilung einer Baugenehmigung hat.

Eine Dachterrasse bietet Platz zum Gärtnern.
Eine Dachterrasse bietet Platz zum Gärtnern.

Foto: iStock.com / fotografixx

3. Statik: Zwingende Voraussetzung für Baugenehmigung

Im Rahmen des Bauantrags muss der Bauherr nachweisen, dass das Dach die statischen Anforderungen für eine Dachterrasse erfüllt. Dächer sind für die zu erwartenden Belastungen und ihrer typischen Nutzungsweisen konstruiert. Eine Dachterrasse stellt allerdings eine deutliche Mehrbelastung für das Dach dar. Zu berücksichtigen sind hier insbesondere folgende Lasten:

  • Eigenlasten (aus Konstruktion, Aufbau und gegebenenfalls Begrünung)
  • Nutzlasten (Möblierung, Pflanzen, Menschen)
  • Umweltlasten (Wind, Regenwasser, Schnee)

Ein Statiker kann überprüfen, ob Ihr Dach diesen zusätzlichen Belastungen gewachsen ist. Falls sich die Statik nicht für eine Dachterrasse eignet, gibt es bautechnische Möglichkeiten, sie zu optimieren. So können Sie sich den Traum von der Dachterrasse auch in diesem Fall erfüllen. Allerdings erhöhen sich durch solche Maßnahmen die Gesamtkosten teilweise merklich.

4. Ausführung: Noch mehr baurechtliche Vorschriften

Bei der Bauausführung sind bauchrechtliche Vorschriften zu beachten. Besonders wichtig sind zwei Regelungen:

  • DIN 18531 – Abdichtung für ungenutzte und genutzte Dächer
  • DIN 18065 – Treppen, Geländer, Brüstungen

Die DIN 18531 regelt Anforderungen, Planungs- und Ausführungsgrundsätze für die Errichtung von genutzten Dachflächen wie Dachterrassen. Das betrifft vor allem:

  • das Mindestgefälle, das eine Dachterrasse aufweisen muss, damit das Wasser abfließt
  • die Entwässerung, um Niederschlag vom Dach abzuleiten
  • die Abdichtung, damit kein Niederschlag ins Gebäude dringt,
  • Materialien, die zum Dachaufbau verwendet werden dürfen
  • thermische Entkopplung, damit Außenwärme und -kälte nicht in das Gebäude dringen

Die DIN 18065 regelt Sicherheitsaspekte, wenn Sie und Ihre Freunde oder Familie sich auf der Dachterrasse aufhalten. Dabei geht es auch um versicherungstechnische Fragen. Denn nur, wenn Norm eingehalten wird, besteht im Falle eines Falles Versicherungsschutz.

Die wichtigste Vorschrift betrifft die Geländerhöhe. Sie variiert von Bundesland zu Bundesland und liegt zumeist bei einer Mindesthöhe von 90 Zentimetern. Ab einer Dachhöhe von 12 Metern muss die Brüstung vielerorts 110 Zentimeter betragen. Sollten sich regelmäßig Kleinkinder auf der Dachterrasse aufhalten, sind zwei weitere Aspekte wichtig:

Der Abstand der Geländer-Elemente muss so gering sein, dass kein Kinderkopf hindurch passt.

Auf horizontale Streben sollte Sie verzichten, da diese ein Hochklettern ermöglichen.

Dachfenster und Dachbalkon ergeben zusammen ein tolles Bild.
Dachfenster und Dachterrasse ergeben zusammen ein tolles Bild.

Foto: Velux

5. Die Dachterrasse gestalten und die eigene Kreativität ausleben

Bei der Gestaltung Ihrer Dachterrasse haben Sie viele Optionen. Zum Teil schränken zwar baurechtliche Vorschriften oder statische Aspekte die Möglichkeiten ein. Doch grundsätzlich haben Sie gestalterische Freiheit, die Sie in diesen Bereichen ausleben können:

Bodenbelag

Sie haben die Wahl zwischen Natursteinplatten

Wie Sie Ihre Dachterrasse gestalten? Ideen gibt es mindestens ebenso viele wie Möglichkeiten. Trotz baurechtlicher Vorschriften und statischer Beschränkungen haben Sie viel gestalterische Freiheit.

Bodenbelag

Wählen Sie zwischen Natursteinplatten, Waschbeton, Holz und Holzfliesen. Oder Sie nehmen Terrassendielen aus Holz-Polymer-Werkstoffen (WPC). Beispiele (in Form von Bildern) finden Sie im Internet zuhauf. Wichtig ist, dass der Boden witterungsbeständig und rutschfest ist.

Möbel

Ist die Dachterrasse nicht überdacht, empfehlen sich witterungsbeständige Terrassenmöbel, die ganzjährig auf der Terrasse verbleiben. Denken Sie auch an die Beschattung, beispielsweise mit Sonnensegeln.

Sichtschutz

Je nachdem wie einsehbar Ihre Dachterrasse ist, empfiehlt sich ein seitlicher Sichtschutz oder ein Sichtschutz, der Blicke von oben abhält.

Pflanzen

Sie wollen Ihre Dachterrasse begrünen? Vom Pflanzenkübel bis zum echten Dachgarten ist fast alles möglich. Bei der Dachbegrünung gibt es 3 Varianten:

  • extensive Begrünung: Gräser und Kräuter auf dünner Substratschicht
  • einfache Intensivbegrünung: Sträucher und Büsche auf mittlerer Substratschicht
  • intensive Begrünung: Rasen und sogar Bäume auf dicker Substratschicht

Beachten Sie die aufgezählten Schritte, damit Ihrem Projekt Dachterrasse auch ein Erfolg wird.

oder Waschbeton sowie Holz und Holzfliesen. Oder Sie nehmen Terrassendielen aus Holz-Polymer-Werkstoffen (WPC). Wichtig ist, dass der verwendete Werkstoff witterungsbeständig und rutschfest ist.

Möbel

Wenn Ihre Dachterrasse nicht überdacht ist, eignen sich Terrassenmöbel besonders gut. Denn diese sind witterungsbeständig und können ganzjährig auf der Dachterrasse verbleiben. Beim Thema Möbel sollten Sie auch über die Beschattung nachdenken. Hier sind Sonnensegel empfehlenswert.

Sichtschutz

Je nachdem, wie einsehbar Ihre Dachterrasse ist, kann ein Sichtschutz empfehlenswert sein. Sie haben die Wahl zwischen einem seitlichen Sichtschutz und einem, der Blicke von oben abhält.

Pflanzen

Sie können Ihre Dachterrasse mit Pflanzenkübeln begrünen oder sie in einen echten Dachgarten verwandeln. Bei der Dachbegründung gibt es drei unterschiedliche Varianten:

  • extensive Begrünung: Gräser und Kräuter auf dünner Substratschicht
  • einfache Intensivbegrünung: Sträucher und Büsche auf mittlerer Substratschicht
  • intensive Begrünung: Rasen und sogar Bäume auf dicker Substratschicht

Wenn Sie alle Schritte beachten, von den Vorüberlegungen über das Baurecht, die Statik, die fachmännische Ausführung bis zur Gestaltung, wird aus Ihrem Projekt Dachterrasse ein Erfolg.

Sie interessieren sich für das Thema? Dann lesen Sie unsere Story über die Dachloggia.