Innovation & Technik

Dachdecker Schmidt setzt mit neuer Bitumenbahn auf Umweltschutz


Lesezeit 4'

17. Mai 2022 10:00 - Henning Höpken
Innovation & Technik

Dachdecker Schmidt setzt mit neuer Bitumenbahn auf Umweltschutz


Lesezeit 4'

17. Mai 2022 10:00 - Henning Höpken

Einst war in Bremen Europas größte Tabakfabrik beheimatet. Dort im Stadtteil Woltmershausen lagerte die Brinkmann AG bis zu 35 Millionen Kilogramm Rohtabak aus der ganzen Welt. 6 000 Menschen haben dort ab Mitte der 1930er Jahre gearbeitet. Dachdecker Schmidt arbeitet an der Neunutzung des Quartiers. 

Bild von Photovoltaik-Anlage auf Flachdach
Die hellere Farbe der neuen Bahn ist laut Hersteller durch ihre Rückstrahlung optimal für Flachdächer mit PV-Anlage geeignet. (Alle Fotos und Titelbild: Höpken)

Seit geraumer Zeit wandelt sich dieses rund 200 000 Quadratmeter große Fabrikgelände jedoch in ein lebendiges Wohn- und Arbeitsquartier. Für Nachhaltigkeit auf den Dächern der riesigen Lagerhallen im neuen Tabakquartier sorgt dabei die Bremer Friedrich Schmidt Bedachungs-GmbH. Geht es um Energieeinsparung, Energiegewinnung an Dach und Fassade, setzt der Dachdecker-Betrieb seit jeher auf moderne Arbeitstechniken und entsprechend innovative Produkte. Auch auf dem eigenen Betriebsgelände wird Strom über eine eigene Photovoltaik-Anlage gewonnen. 

Patentierter Wirkstoff vernichtet Stickoxyde

So war es kein Zufall, dass Geschäftsführer und Dachdecker-Meister Lutz Detring die neue BauderKarat Air+ als neue oberste Dachbahn für den Aufbau von drei Dachflächen mit jeweils 4 500 Quadratmetern empfahl. „Die Beschieferung ist mit einem speziell entwickelten, patentierten Wirkstoff versehen. Zusammen mit dem Sonnenlicht wird von dieser Schicht ein photokatalytischer Prozess gestartet, der schädliche chemische Stickoxidverbindungen eliminiert. Die Schadstoffe werden sozusagen neutralisiert“, erklärt Lars Schneider, Fachberater bei Bauder.

Bild von Schmidt und Bauder Mitarbeiter
Lars Schneider von Bauder (links) und Hendrik Naumann von Dachdecker Schmidt treffen sich vor Ort zur Lagebesprechung.

Es verblieben auf der Bahn keine schädlichen Rückstände und das Regenwasser könne bedenkenlos verwendet werden. Entscheidend sei, dass die Bahn sauber bleibe, damit der Wirkstoff mit der Sonne und der Luft reagieren kann. Schneider: „Da die Bahn dazu hydrophob ausgestattet ist, empfehlen wir eine Mindestdachneigung von zwei Prozent.“ Im Tabakquartier ergab das kein Problem, da die Dachflächen dieses Bauprojekts von der Mitte entsprechend geneigt verlaufen.

Dachdecker leisten Beitrag zum Umweltschutz

„So leistet auch hier das Dachdeckerhandwerk einen positiven Beitrag für den Umweltschutz“, erklärt Dachdecker-Meister Hendrik Naumann von Schmidt. „Denn weniger Stickoxid in der Luft und weniger Ozon heißt weniger Feinstaub und trägt zur Gesundheit für Menschen, Tiere und Pflanzen bei.“ Hersteller Bauder versichert, dass allein 100 Quadratmeter dieser Bitumenbahn den jährlichen Schadstoffausstoß eines PKW mit Euro 5 und 12 000 Kilometer jährlicher Fahrleistung abbauen würden.

Bild von Dachdeckern beim Verlegen der Bitumenbahn
Bevor die Oberbelagsbahn den Abschluss bildet, wird die Dampfsperre direkt auf dem Beton verschweißt, gefolgt von 100 Millimeter Dämmung sowie einer Abdichtungslage.

Bitumenbahn passt gut zur PV-Anlage

Im Gegensatz zur bisherigen dunkleren Farbe der Bahn sagte dem Bauherrn insbesondere die helle weißgraue Beschieferung der neuen BauderKarat Air+ zu, da diese durch ihre hohe Rückstrahlung optimal für Photovoltaikdächer geeignet sei. Ein Großteil der Dachflächen wird zur südlichen Richtung hin mit entsprechenden PV-Anlagen ausgestattet. Hendrik Naumann: „Das ganzheitliche Energiekonzept passt zum Motto des Quartiers: ‚mobil, nachhaltig und grün‘. Dabei ist diese Bitumenbahn eine gute Alternative zur Dachbegrünung, wenn sich diese nur schwerlich verwirklichen lässt.“

Bild von Dachdecker bei der Arbeit auf dem Flachdach
Stück für Stück wird der alte Dachbelag inklusive der Korkdämmung mit dem Dachschneider entfernt.

Abriss als Basis für neuen Flachdachaufbau

Bevor die oberste Dachbahn verlegt werden konnte, gab es für das Team von Dachdecker Schmidt zahlreiche und herausfordernde Vorarbeiten. Die drei Dachflächen mit je 4 500 Quadratmeter mussten teils bis zur Betondecke hin abgerissen werden. Es galt zunächst, die alten Dachbahnen sowie die Korkdämmung zu entfernen, für Belüftung zu sorgen und die Basis für den neuen Flachdachaufbau zu schaffen. „Und bevor dann die Oberbelagsbahn den Abschluss bilden kann“, so Dachdeckermeister Naumann, „wird zunächst die Dampfsperre direkt auf dem Beton verschweißt, gefolgt von einer 100 Millimeter starken Dämmung sowie einer kaltselbstklebenden Abdichtungslage.“ 

Bild von Dachdecker auf Flachdach
Das Dachdeckerhandwerk kann durch Nutzung innovativer Materialien zum Umweltschutz beitragen.

Drei bis vier Monate Arbeitszeit pro Flachdach

Durchschnittlich arbeitet Schmidt mit sechs Mitarbeitern auf der Baustelle. „Für jede Halle sind drei bis vier Monate Arbeitszeit anzusetzen“, erklärt Naumann. Das komplette Material für den Flachdachaufbau kam von Bauder und wurde vom Dachdecker-Einkauf Nordwest eG (DENW) direkt vor Ort angeliefert. DENW-Vertriebsleiter Raimund Schrader zeigt sich trotz Lieferengpässen und Materialknappheit zufrieden mit der guten Zusammenarbeit mit dem DENW-Mitgliedsbetrieb Schmidt und Bauder. „Natürlich muss der Bauherr für diese oberste Dachbahn etwas tiefer in die Tasche greifen,“ aber dafür erbringt das Produkt auch einen ganz erheblichen Mehrwert.“

Bild von Baustelle
Drei Lagerhallen der ehemaligen Brinkmann-Tabakfabrik werden von der Friedrich Schmidt Bedachungs-GmbH mit neuen Dächern versehen.

Sicherheitspaket für Handwerker und Bewohner

Nachhaltig ist auch Sicherheitstechnik für die Dachdecker und spätere Bewohner. Ein fest installiertes Seilsicherungssystem im Bereich der Dachränder bietet Absturzschutz bei späteren Inspektionen oder Arbeiten an der Dachentwässerung. Darüber hinaus befindet sich in der Mitte der jeweiligen Dächer ein Absturzsicherungsgeländer. Dieses führt zu einer Plattform, auf die sich die Menschen etwa im Brandfall retten können.

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